Neue Galerie und Kasematten Wiener Neustadt

Die Entwicklung des Entwurfs für die Adaptierung und Ergänzung der Kasematten in Wiener Neustadt bedeutet zunächst eine grundlegende Auseinandersetzung mit den funktionalen, aber vor allem mit den kontextuellen Gegebenheiten. Das möglichst umfängliche Sichtbarmachen der historischen Mauern auch in ihrer zeitlichen Abfolge ist eine wichtige Entscheidungsgrundlage. Dadurch entsteht zunächst auch die Vorstellung, die neue Baumasse innerhalb der Stadtmauer zu platzieren um die Erlebbarkeit der Befestigungsanlage zu stärken. Dieses „sichtbar“ machen bedeutet konsequenterweise auch den Bestand möglichst wenig zu überbauen. Das Anheben des Hauptvolumens auf das Niveau des Kasemattendaches eröffnet mehrere städtebauliche und funktionale Optionen. Zunächst entsteht mehrfach öffentlich zugänglicher und nutzbarer Raum im Umfeld der Gesamtanlage. Am Hauptzugang zum Besucherzentrum und den Kasematten wird ein überdeckter Vorplatz geschaffen, der eindeutig dem existierenden städtischen Gefüge zugeordnet ist. Über den Kasematten selbst wiederum entsteht ebenfalls ein öffentlicher Platz der atmosphärisch gänzlich anders geprägt schon dem Stadtpark zugeneigt und mit den entsprechenden Erholungs- und Aufenthaltsqualitäten versehen ist. Dies entspricht ebenfalls der bereits angesprochenen Dualität von „innerhalb der Stadtmauer“ und „außerhalb der Stadtmauer“. Dieser Dualität folgt auch die Form des neuen Volumens. An der Bahngasse noch vergleichsweise ruhig geschnitten, mit der klaren Absicht raumbildend zu wirken, die Verbindung zur Kirche herzustellen und den unglücklichen Nachbarschaftsbau in ein Ensemble zu integrieren, wird die Form in Richtung Befestigungsanlage deutlich freier und interpretiert damit die vorgefundene, über Jahrhunderte entstandene tektonische Schichtung der Kasematten, in einer tatsächlichen räumlichen Überlagerung.

  • Auslober: Landesausstellungs- Planungs- Errichtungs- und Organisations GmbH
  • ARGE Architektur: in Zusammenarbeit mit eep architekten
  • Projektteam: DI Alexander Freydl, DI Alexander Gebetsroither
  • Wettbewerb: nicht offener, einstufiger Realisierungswettbewerb / Oktober 2016
  • Wettbewerbsergebnis: 2. Preis
  • Visualisierung: Atelier Frühwirth

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