Villa

Die historische Villa aus dem 19. Jahrhundert erscheint über einem nahezu quadratischen Grundriss als ebenso strenges wie kompaktes Volumen, das nur durch die Mittelrisalite in Richtung der beiden angrenzenden Strassen betont wird. Im Gegensatz dazu wurde die Dachzone ausgesprochen differenziert gestaltet. Über dem Eingangsbau im Osten erhebt sich ein turmartiges, reich geschmücktes Dachvolumen und ein zweites, davon abgesetztes Volumen in Nord-Südrichtung betont aus nördlicher Blickrichtung das Zentrum des Hauses. Die vier Ecken der Villa verbleiben unbetont und werden mit flachgeneigten Blechdächern eingedeckt, ebenso wie die Aufstockung des westlichen Teils des Hauses aus dem Jahre 1924.
Dieses Erscheinungsbild wurde genutzt um dem Haus ein weiteres eigenständiges Volumen in der Dachzone hinzuzufügen und nach den vorgefundenen Prinzipien mit dem Bestand zu verbinden. Um keine neue Betonung einer der Fassaden zu erzeugen wurde das neue Volumen klar in Nord-Süd-Richtung orientiert und auch im Maßstab und Zuschnitt den übrigen Dachvolumen zugeordnet. Die Flachdächer an den Gebäudeecken werden nun als Terrassen genutzt und die schmiedeeisernen Attikaverzierungen werden mit Glastafeln hinterlegt, sodass sie im Zusammenspiel die Funktion des Geländers übernehmen.
Die Eindeckung des neuen Volumens erfolgt mit Streckmetall. Mit der dunklen Farbgebung wird das neue Dach klar vom hell geputzten Baukörper unterschieden. Auch das historische Dach zeigt durch eine sehr dunkle in Holz gefertigte Traufenausbildung einen klaren Bruch zur Fassade. Das Streckmetall verweist einerseits auf die Struktur der historischen Dachdeckung aus rautenförmigen Betonsteinen und schafft gleichzeitig eine Analogie zu den reichen Metallverzierungen am historischen Dach.
Im Zuge dieser Adaptierungsarbeiten wurde die historische Villa gänzlich auf ein alternatives, nachhaltiges Heiz- und Kühlsystem umgestellt. Erdwärme ist die Hauptenergiequelle, ergänzt um Vakuumsolarpaneele, die unsichtbar in den neuen Dachausbau integriert sind. Die historischen Ausbauelemente der Villa, Fresken, Mosaiken, Vertäfelungen, die Fenster und Türen, aber auch die Putzfassade mit ihren Stuckelementen wurden mit großer Sorgfalt restauriert.

  • Ausgezeichnet mit dem „best architects 13“-award
  • Ausgezeichnet mit dem Fischer von Erlach-Preis 2010
  • Auftraggeber: privat
  • Projektteam: Irene Kristiner, Hans-Günther Coppenrath, Lena Mühlberger
  • Planung: 2007-2009
  • Baubeginn: Juni 2009
  • Fertigstellung: November 2010

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